Michael Lorang und Gerhard Spurk GdbR

KÜS - Neues aus der Autowelt
täglich aktuell von www.kues.de

    19. 5. 2019

    Historie: 70 Jahre „Wirtschaftswunder-Autos“

    Das Automobil brachte in Deutschland alles in Fahrt: Erst den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder der frühen Nachkriegsjahrzehnte, dann die Proteste der 68er-Generation und Umweltbewegungen, den Massentourismus der Freizeitgesellschaft und heute die Diskussion um elektrifizierte Antriebe.

    Eine Geschichte voller Erfolge und Widersprüche, die mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 in Bonn begann. Damals vor 70 Jahren, als die Kriegsfolgen noch den Alltag bestimmten, die meisten Industriestädte und Werke in Trümmern lagen, Rohstoffe knapp und neue Pkw für Privatpersonen kaum verfügbar waren.

    Vorkriegs-Autos, vor allem von der Wehrmacht verschmähte Cabrios und Zweitakt-DKW, ließen sich zwar auftreiben, aber woher das rationalisierte Benzin bekommen? Dennoch, in der 1949 von den West-Alliierten gebilligten Bonner Republik wuchs die Fahrzeugbranche in atemberaubendem Tempo. Die Begeisterung für das Auto – anfangs vor allem kaum modernisierte VW Käfer, Ford Taunus, Mercedes 170 und Opel aus den 1930er Jahren – einte die Bevölkerung und legte ein Fundament für das Wirtschaftswunder. Zuvor hatte Mobilität über viele Jahre Flucht, Lastentransporte per Fahrrad oder überfüllte Bahnwaggons bedeutet, da lockte jetzt sogar der Kabinenroller Fend Flitzer mit knapp 2,5 PS, aber ohne Rückwärtsgang. Für die großen Träume gab es ja Hollywood im Kino, oder Luxus im US-Look wie den Opel Kapitän.

    Überhaupt standen die Amerikaner damals für fast alles, was die Menschen besonders begehrten. Die vielen chromglänzenden Straßenkreuzer der Besatzer fanden auch als Gebrauchtwagen Bewunderer und das Geld des Washingtoner Marshallplans brachte das Land voran, in dem sechs Millionen Wohnungen fehlten und mehr als eine halbe Million Soldaten auf die Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft warteten. Während Christian Dior in Paris seinen schlichten und doch eleganten „New Look“ der Damenmode präsentierte, vertrauten Frankreichs Nachkriegsautos, die nach Allemagne exportiert wurden, entweder auf glamourösen Amistil à la Peugeot 203, oder sie ähnelten wie der Heckmotor-Typ Renault 4 CV dem VW Käfer. Automobiler „New Look“ kam seit Kriegsende vor allem von jenseits des Atlantiks, denn dort verzichteten Massenmarken wie Ford bereits auf freistehende Kotflügel und Scheinwerfer zugunsten der frisch kreierten Pontonform.

    In Deutschland war es damals Carl F. W. Borgward, der sich durch US-Vorbilder inspirieren ließ und die Pontonkarosserie mit dem brandneuen Hansa 1500 zum prominenten Statussymbol machte. Hansa 1500? Ja, diese Limousine war direkte Vorgängerin der legendären Isabella, die den Namen Borgward ab 1954 sogar in USA mit Kultstatus auflud – während der VW Käfer dank Amerika-Export bereits dem Status des Produktionsmillionärs entgegeneilte.

    Auf so furiosen Aufschwung vertraute aber 1949 noch niemand. Jenem Jahr, als Silvester-Feuerwerke noch Kriegserinnerungen weckten, Konrad Adenauer erster deutscher Bundeskanzler wurde (aber erst ab 1951 im legendären Mercedes-„Adenauer“ 300 chauffiert wurde), Sepp Herberger die bundesdeutsche Fußball-Nationalmannschaft vorbereitete und täglich weit über tausend Menschen aus der im Oktober 1949 gegründeten DDR in den Westen wechselten. Dabei symbolisierte die in der sowjetischen Besatzungszone und der DDR wiederanlaufende Automobilproduktion dort ebenfalls neue, bessere Zeiten. Allerdings waren die ab 1945 in Eisenach im früheren BMW-Werk gefertigten BMW 321 (später EMW genannt) und die 1949 anlaufenden sächsischen IFA F8 (baugleich mit DKW F8) vor allem für Behörden und devisenbringenden Export bestimmt. So konkurrierten auf den Westmessen Ingolstädter DKW und Münchner BMW mit ihren DDR-Geschwistern – bis endlich Wartburg und Trabant ein ganz neues Kapitel der Mobilitätsgeschichte in der DDR eröffneten.

    Es war eine Zeit der Aufbruchsstimmung, die in den bunten Blättern und Fachmagazinen viele Themen diskutierte, die im Jahr 2019 unverändert aktuell sind: „Jede zweite Straße in desolatem Zustand!“ „Park-Piraten: Teures Parken in unseren Städten.“ „Autobahngebühren: Nein Danke!“ „Unser Wunsch: Wirklicher Kundendienst bei Fahrzeugwartungen.“ „Sind Geschwindigkeitskontrollen nur Wegelagerei der Polizei?“ „Fusionsbestrebungen in der Fahrzeugindustrie“. Gleichzeitig sollte es 1949 losgehen mit den Dingen, die das Leben von Autofans schön machen. So gab es wieder Autorennen auf Nürburgring und Sachsenring und es wurden endlich auch wieder Pulsbeschleuniger vorgestellt, die in Serie gingen. Allen voran Porsche 356 und Jaguar XK 120.

    Bis diese Hingucker auf Berliner Kudamm oder Düsseldorfer Kö promenierten, sollte es allerdings noch dauern. Dort und auf Direktionsparkplätzen zeigten sich abgesehen von US-Straßenkreuzern, Mercedes 170 S und Kapitän vor allem die Modelle, die das Wirtschaftswunder auf Stückzahlen brachten: kleine Käfer, kompakte Opel Olympia oder Ford Taunus, aber auch die von NSU-Fiat in Heilbronn gebauten Topolino, dazu überraschend viele billig angebotene englische Austin und Standard Vanguard, sowie tschechische Skoda 1101 „Tudor“ und Tatra und nicht zuletzt einige Citroen Traction Avant. Dagegen fand der brandneue Citroen 2 CV vorläufig ebenso wenig den Weg nach Deutschland wie die ersten bezahlbaren Massenmodelle von Volvo (PV 444) und Saab (92) oder die meisten italienischen Typen. Warum? Die Rohstoffbewirtschaftung und Devisenknappheit in ganz Europa beschränkte in vielen Staaten Im- und Export. So kam es einer Sensation gleich, als der Volkswagen Käfer schon 1951 in mehreren europäischen Ländern zur Nummer eins avancierte. Tatsächlich litten die VW-Konkurrenten aus Frankreich, Großbritannien und Italien anfangs noch mehr unter Handelsbeschränkungen als die deutschen Hersteller.

    Eine Vorreiterrolle ganz anderer Art übernahmen die Deutschen als Urlaubsnation. Kaum kündete das Grundgesetz im Mai 1949 von neuen Rechten und Freiheiten, zog es die ersten Reiselustigen in den sonnigen Süden. Die Zollkontrollen an den innerdeutschen Besatzungszonen-Grenzen waren jetzt Geschichte, aber umständlich zu beschaffende Visa, sogenannte Triptyks und carnets de passage für jede Auslandsfahrt waren weiterhin Pflicht – und die Mitnahme notwendiger Ersatzteile für Motorrad, Kleinstmobil oder Pkw Kür. Denn die Wartungsintervalle der Autos waren damals teilweise nur 1.000 Kilometer kurz und Teile knapp. Übrigens gab es 1949 die ersten Kombis auf dem Markt. Während Opel diese auch als Familien- und Freizeitmodell bewarb, wurde sonst nur der Nutzwert betont, schließlich wurde die Transporter-Verbreitung steuerlich gefördert.

    Nicht zu Unrecht, waren die kleinen Laster doch die wahren Helden, die Deutschland und Europa auf die Räder stellten. Diese Arbeitstiere boxten sich ab 1949 durch als VW Bulli und sorgten für Furore als DKW Schnelllaster, Tempo Kastenwagen, Renault Juvaquatre oder Ford FK. Damit Handel und Wirtschaft blühten. Auf diesem Feld war also gleichfalls vieles so wie heute – auch ohne Online-Bestellungen und Just-in-time-Lieferung.

    19. 5. 2019

    Buchtipp – Café Schwesterherz

    Drei junge Frauen haben gerade ihren Uni-Abschluss in der Tasche, aber noch keine langfristigen Zukunftspläne und – vorerst noch – reichlich Zeit. Also schauen sie sich in anderen Ländern um. Vor allem die verschiedenen Esskulturen haben es ihnen angetan. Cupcakes, Weine, Fisch ... so weit, so unspektakulär. Nach ihrer Rückkehr arbeiten sie in verschiedenen Berufen, überwiegend typische Büro-Jobs. Aber: Aus all den Reiseerfahrungen heraus entschließen sie sich dann, ein Café zu eröffnen. Zu Hause, in Schottland. Nicht zuletzt sind die drei Schwestern, und sie verstehen sich untereinander sehr gut. So entsteht "Three Sisters Bake" in Quarriers Village.

    Und jetzt lassen sie sich in Kochtöpfe, Backformen und Teigschüsseln schauen. Das kann sich sehen lassen. Marokkanische Gemüsegerichte stehen neben traditionell Schottischem, etwa dem berühmten Black Pudding, der viel besser schmeckt, als sich die Rezepte dazu üblicherweise lesen. Aber “Café Schwesterherz” ist sowieso kein übliches Kochbuch. Mit zahlreichen Fotos illustriert ist es zugleich die vergnügliche Geschichte eines mutigen Unterfangens, das sehr gut ausgegangen ist. 2011 haben die drei Reith-Schwestern ihr Kleinod eröffnet, inzwischen reicht ihr Ruf weit über die Region hinaus. Zu Recht, wie man beim Nachkochen feststellen wird. Mittlerweile haben die drei sogar zwei Cafés, beide kommen ohne Ruhetag aus, sind also an allen Wochentagen geöffnet. Einen Besuch einzuplanen bei der nächsten Schottland-Reise dürfte zweifellos reizvoll sein.

    Gillian, Nicola und Linsey Reith: Café Schwesterherz. Knesebeck Verlag; 24,95 Euro.

    19. 5. 2019

    CD-Tipp – Elton John: Diamonds

    Noch bis 2020 ist er auf Tournee, und wenn im Publikum vermehrt Stoff- oder Papiertaschentücher gesichtet werden, hat das seinen guten Grund.

    Sir Elton John verabschiedet sich. Zumindest, was Live-Projekte angeht. Neue Studio-Produktionen? Er wäre ja nicht der erste, der sich den Rückzug, jedenfalls teilweise, noch einmal überlegte …

    Zur Abschiedtournee gibt’s jetzt eine CD, die kurz und klar „Diamonds“ heißt und in verschiedenen Versionen aufgelegt wird. Als einfacher Silberling enthält er die wichtigsten Meilensteine aus fast 50-jähriger Karriere, eine üppigere Version kommt sogar mit informativem Buch, und wer die 3-CD-Box erwirbt, hat dann einen vorzüglichen Querschnitt durch das Oeuvre von Reginald Kenneth Dwight.

    Aus dem natürlich für die Öffentlichkeit Elton John wurde, und seit geraumer Zeit eben Sir Elton John. Dem wir übrigens die meistverkaufte Single der Welt verdanken – „Candle In The Wind“. Aber genau genommen ist die Veröffentlichung keine Hommage an Elton John allein. Klar, Rock und Pop wären ohne seine Klassiker wie „Rocket Man“, „Your Song“, „Crocodile Rock“ undenkbar. Nicht zu vergessen sein „Song For Guy“ in Erinnerung an einen tödlich verunglückten Mitarbeiter jener Plattenfirma, unter der John seinerzeit unter Vertrag war. Und … und … und …

    Aber die Highlights entstanden überwiegend in der Zusammenarbeit mit einem Mann, den man hier nicht verschweigen darf: Bernie Taupin, der schon früh seine Liebe zum Schreiben von Songs entdeckte. In den frühen Achtzigern haben beide die Kooperation auf Eis gelegt, dann wieder teilweise reaktiviert, um schließlich weiterzumachen wie am Anfang der Karriere(n). Und, seien wir ehrlich: Was Elton John so ganz ohne Bernie Taupin hinlegte, kam nie an die Erfolge der gemeinsamen Projekte heran.

    Freilich macht Elton John auch eine gute Figur, wenn er Klassiker von Kollegen interpretiert, etwa „Lucy In The Sky With Diamonds“ oder „Pinball Wizard“. Übrigens: Elton und Bernie können sehr wohl jeder für sich erfolgreich sein – wenn sie bei anderen Veröffentlichungen mitwirken. Zu nennen sei nur Elton Johns Mitwirkung am Debüt-Album der „Scissor Sisters“ und an Bernie Taupins Beitrag zum Soundtrack von „Brokeback Mountain“ – dazu trug er das von Emmylou Harris gesungene „A Love That Will Never Grow Old“ bei.

    Elton John: Diamonds (Mercury)

    18. 5. 2019

    KÜS-Interview: Ihre Meinung bitte, Herr Bürkle!

    KÜS: Herr Bürkle, der i30N ist als die sportliche Variante eines Kompaktwagens etwas Außergewöhnliches im Angebot von Hyundai. Waren sie als Designer selbst überrascht vom Erfolg des Fahrzeugs? Sein Alleinstellungsmerkmal ist zudem seine ganz besondere Farbgestaltung. Was hat es damit auf sich?


    Thomas Bürkle: Überrascht ist vielleicht das falsche Wort. Aber wir freuen uns natürlich, dass das Fahrzeug und die Idee, die dahinter steckt, bei unseren Kunden so positiv angenommen werden. Ein sportliches Kompaktfahrzeug zu bauen, das ist immer eine Frage des Kompromisses zwischen Ingenieuren und Designern. Letztlich muss man sehen, was im Gestalterischen aufgrund der technischen Vorgaben machbar ist. Aber um dieses ganz besondere Hellblau des i30N habe ich im Hause gekämpft, weil der Wagen damit auf der Straße eine Art optische Visitenkarte abgibt.

    KÜS:  Was macht den Erfolg dieses Fahrzeugs Ihrer Meinung nach aus?

    Thomas Bürkle: Ich denke, dass wir eine gute Marktanalyse gemacht haben und das umsetzen konnten, was bei der Klientel eines solchen Fahrzeugs gesucht wird. Wir haben uns überhaupt bei der Gestaltung dieser Fahrzeuggattung von den italienischen Gran Turismo inspirieren lassen. Viele träumen von solchen Autos.

    KÜS: Hyundai macht auch als Wegbereiter in Sachen Elektromobilität von sich reden. Ist eine optische Verbindung zwischen reinen Stromern und dem, was die N-Modellreihe emotional ausmacht, vorstellbar und umsetzbar?

    Thomas Bürkle: Ich möchte zu diesem Thema noch nichts Konkretes sagen, kann mir aber vorstellen, dass die N-Reihe im Haus noch in weiteren Produktreihen zu finden sein wird.

    Thomas Bürkle ist Chefdesigner Europe von Hyundai. Wir trafen ihn bei einer Fahrvorstellung des südkoreanischen Autobauers.

    17. 5. 2019

    Hyundai Tucson N-Line: SUV „im Trainingsanzug“

    Dass Hyundai mit dem i30 (auch als Fastback) mit den „N-Versionen“ und der Ausstattungslinie „N-Line“ für jede Menge Fahrspaß und sportliche Optik in der Kompaktklasse sorgen kann, haben die Südkoreaner bereits bewiesen. Den Drang zu mehr Emotionen dehnt der Hersteller jetzt auch auf seine SUV-Modellreihe aus. Auch der Tucson wird ein „AdreNalin“-Fahrzeug.


    Salopp gesagt: Er wurde in die Mucki-Bude geschickt und erhielt ein Schönheits-Köfferchen als Beigabe. Damit gehen die Südkoreaner neue Wege bei der Angebotspalette ihrer SUV-Baureihen. 

    Die N-Line des Tucson basiert auf dem Ausstattungspaket Style. Dem Probanden wird eine auffällige Frontschürze angezogen. Die wird mit einem schwarz umrandeten, feinen Wabengitter sowie einem angedeuteten Diffusor noch einmal aufgehübscht. Dunkle Kappen auf den Seitenspiegeln, ein Dachspoiler und auffällige 19-Zöller runden den Athletenanzug ab.

    Auch im Innenraum hat sich, mit schwarzen Ledersitzen mit „N“-Logo, roten Ziernähten, Alu-Pedalerie und einem abgedunkelten Dachhimmel, viel in Richtung Sport-Touch getan.

    Zwei Motorisierungen stehen für den Tucson als N-Linie bereit, der 177 PS starke und 1,6 Liter große Vierzylinder Benziner und der Zweiliter Diesel mit 185 PS. Den Benziner gibt es ab 34.550 Euro, der Selbstzünder kommt auf 41.100 Euro. Geschaltet wird entweder manuell (sechs Gänge), mit einer Siebengang-Doppelkupplung oder einer Achtgang-Wandlerautomatik. Beide Versionen gibt es als Allradler oder mit Frontantrieb.

    17. 5. 2019

    Ford: Aus für den Ka+

    Ford nimmt den Kleinstwagen Ka+ in Europa aus dem Programm.

    Das preisgünstige Einstiegsmodell wird 2020 im Rahmen der Neustrukturierung der Modellpalette gestrichen. In anderen Teilen der Welt bleibt der in Brasilien gebaute Fünftürer jedoch erhältlich. In Deutschland wurde der Konkurrent der Toyota Aygo und Co. erst Ende 2016 eingeführt, die Preise starten bei knapp 10.000 Euro.

    Ford hatte bereits Mitte des Jahrzehnts angekündigt, seine westeuropäische Modellpalette straffen zu wollen und künftig verstärkt auf SUV zu setzen. Erhalten bleiben Europa, neben den Volumenmodellen Fiesta und Focus und den Nutzfahrzeugen der Transit-Großfamilie, vor allem SUVs. Der Kuga wird 2020 erneuert und bekommt mit dem Mini-Crossover Puma einen kleinen Bruder. Ende des Jahres wird außerdem das Allrad-Top-Modell Explorer aus den USA importiert.

    Quelle: www.kues.de